Bestatter auf die Bühne – Neuland?

Bestatter jetzt auf die Bühne

Jahrzehntelang war die Arbeit eines Bestatters geprägt von Pietät und Würde. 
Man könnte auch von einer besonderen Form von Diskretion sprechen. So oder so – die Branche kam gut aus, ohne jemals im Rampenlicht stehen zu müssen.
Und das war gut so…
Aber warum sollen Bestatter ausgerechnet jetzt auf die Bühne?
Ganz einfach:

Neue Künstler betreten die Bühne – und lernen „on stage“

Seit Jahren findet aber nicht nur in der Kommunikation generell, sondern auch im Bestattungswesen ein Wandel statt. 
Beispiele:

  • Binnen weniger Jahre wurde eine Frau aus Stuttgart via Soziale Medien zur bekanntesten Bestatterin des Landes.
    Jetzt arbeitet sie für die Ahorn-Gruppe.
  • Ein Quereinsteiger aus Berlin schreibt ein Buch, tourt für Geld durchs Land, macht Autorenlesungen und sitzt gefühlt ständig beim Lanz im ZDF rum. 
  • Und auch auf anderen Kanälen tauchen nicht nur neue Spieler auf, sondern erarbeiten sich dort auch konsequent wachsende Fan-Gemeinden.

Überraschenderweise spielt aber keiner der bekannten Größen der Branche hierbei eine bemerkenswerte Rolle.

Und jetzt auch noch Corona

Aktuell vergeht kein Tag, ohne dass neue Gesetze, Regeln und Verordnungen unser Leben, unseren Alltag verändern.
Trauerfeiern in bekanntem Umfang sind längst untersagt. 
Die „Entsorgungsmentalität“ wird zum Standard: Krankenhaus – Krematorium – Urne (erst mal) stehen lassen.
Der Sterbefall reduziert sich auf ein Minimum an Aufwand, mit dem der Bestatter (notgedrungen) beauftragt wird. 
„Über den Rest reden wir später…“
Hoffentlich.

Was bedeutet das für Trauer und Kultur?

Wie soll so Trauer möglich sein? 
Was macht das mit den Menschen?
Welche -– auch bleibende – Schäden das verursacht, ist ungewiss.

Ich will ja nicht schwarz malen, aber der Trauerkultur wird das in der Krise von Angehörigen erlebte und gelernte wenig förderlich sein.

Welche Auswirkungen das für die Unternehmen haben wird, steht ebenfalls in den Sternen.

Krise als Chance

Wenn wir uns aktuell die (Online-) Kommunikation traditioneller Bestattungsunternehmen anschauen, finden wir bestenfalls Hinweise zur Durchführung von Trauerfeiern vor Ort: Hier ist vom „engsten Familienkreis“ die Rede, dort von „höchstens fünf Personen“ unter Einhaltung von mindestens eins Komma fünf Metern Abstand.

Warum Bestatter gerade jetzt so wichtig sind

Gerade heute ist der Bestatter mehr gefragt denn je. 
Ich appelliere an Euch: Lasst die Trauernden nicht alleine!
Gebt den Menschen Informationen rund um Abschied und Trauer – auch und gerade in dieser Krisenzeit!
Zeigt ihnen öffentlich, dass ihr für sie da seid. 
Wenn auch nur online. 
Positioniert Euch als kompetenter Fachmann rund um Trauer und Tod. 
Kommuniziert! 

Video/Livestream von Beisetzung – Bestatter auf die Bühne
  • Zeigt Bilder von schönen Trauerfeiern, die hoffentlich bald wieder möglich sind.
  • Informiert über Links und Angebote für Trauernde.
  • Gebt Tipps, wie Trauerarbeit möglich ist.
  • Zeigt Rituale, die auch in der Krise möglich sind.
  • Haltet mit Gedenkseiten und Videos von Beisetzungen die Erinnerung an Verstorbene „am Leben“.
  • Schafft auch online eine Trauergemeinde mit gemeinsamen Interessen.
  • Stellt Bücher und Filme vor, die Trauernden helfen können.
  • Beantwortet Fragen, die Euch im Arbeitsalltag oft gestellt werden.
  • etc. pp.

Zeit für Deinen Auftritt

Kurzum: Steigt auf die Bühne und zeigt, was es für Euch bedeutet, „wenn der Mensch den Menschen braucht…“
Das ist eigentlich gar kein Appell. 
Sondern gehört auf die Seite eins im Marketinglehrbuch für Bestatter. 
Denn diese Aufforderung hat so überhaupt nix mit Corona zu tun. 
Aber vielleicht sind ja gerade in diesen Zeiten, in denen sich Unsicherheit über die Zukunft breit macht, Menschen darauf angewiesen und besonders empfänglich für Eure Informationen.

Warum Du?

Wenn Du Bestatter*in bist und Dich jetzt fragst, warum ich ausgerechnet Dir das alles erzähle – die Antwort ist ganz einfach: Gerade in Zeiten von Corona sind wohl alle Menschen verunsichert, viele sogar verängstigt.
Wer könnte diesen Menschen momentan besser helfen, Sicherheit und Vertrauen aufbauen als Menschen, die tagtäglich mit dem Tod zu tun haben, Profis halt.
Und für meinen Geschmack ist es eine sensationelle Chance, wenn Bestattungsprofis jetzt auch als Kommunikatoren auf die Bühne zu steigen.
Um Position zu beziehen.
Wer jetzt hinter dem Gebüsch raus kommt, kann sich interessierter Wahrnehmung sicher sein.
Und auch wenn die ersten Schritte vielleicht ein bisschen holprig sind – in der Krise werden kleine Anlaufschwierigkeiten eher mal verziehen.
Ein erster Schritt ist ein Blog auf Deiner Homepage. Was dort gepostet werden soll? Hier ein erster Tipp, was ein Bestatter posten kann.
Jetzt – mitten in dieser Krise – proaktiv auf die Bühne zu steigen und zu kommunizieren, dient:

  • Deinen Kunden,
  • und Menschen, die Kunden werden sollen,
  • Deinem Lernen und
  • Deiner Unternehmenskommunikation.

Warum ich?

Wenn Du Dich nun fragst, warum ausgerechnet der Wolf hier so Wellen macht…

Ich habe zwei Antworten:

  1. Es ist mir Berufung und Beruf.
  2. Ich war persönlich Opfer!

Als mein Vater im Jahre 2003 völlig unerwartet und plötzlich starb, hatte ich von der Bestatter-Branche keine Ahnung.
Und kannte auch keinen Bestatter – nur halt die Namen „üblicher Verdächtiger“ am Ort.
Also fand die Auswahl des Bestatter durch persönliche Empfehlung statt.
Ein ganz normaler, alltäglicher Entscheidungsprozess: Irgendjemand kannte jemanden, der bei dem war. Und nicht unzufrieden. 
Das war meiner Familie damals Auswahlkriterium genug.
Bei der Vorstellung graut mir noch heute. 
Denn die Strafe folgte auf den Fuß – denn so richtig doll war der Bestatter unserer Wahl nicht.
Aber das lernte ich erst später…

Heute schreibe ich den Artikel mit der Überschrift

Bestatter jetzt auf die Bühne

weil die Zeit reif dafür ist.
Mal schauen, was draus wird…
Ich freu‘ mich darauf.
Auf bald.

PS
Interesse an Gedenkseiten auf Deiner Homepage?
Hier gibt’s konkrete Informationen.

Autor

Jürgen Wolf

Jürgen Wolf

Mein Blog WORSCHTSUPP trägt nicht ohne Grund den Zusatz: aus-dem-Leben-eines-fast-ALLES-ein-bisschen-KÖNNERS. Ich gehöre zu den Autodidakten, die alles erst einmal selber machen müssen, um zu verstehen, was wie geht, wer was u. U. besser kann und resultierend was wie lange dauert und kostet. Klingt anstrengend – ist es auch. Aber macht enorm fit und verbindlich. Ich weiß, wovon ich rede. Und das mögen Kunden, wenn sie mich was fragen und schnell eine anständige Antwort kriegen ?

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