Die Reiseschriftstellerin und Fotografin Milli Bau wurde 1906 als Emilie Wissmann in Darmstadt geboren. Nach der Heirat mit Waldemar Bau 1932 lebte sie zunächst in Stuttgart und später in Aumühle nahe Hamburg. 1949 nahm sie als einzige Frau an einer dreieinhalbjährigen Südamerika-Expedition teil. Danach folgten Reisen rund um den Globus, zunächst in den Nahen Osten und entlang der Seidenstraße. Spätere Reisen führten sie u.a. nach Persien und an den Amazonas. Und selbst im hohen Alter blieb Milli Bau eine Globetrotterin: noch mit 84 Jahren unternahm sie 1990 eine Studienreise nach Sibirien.
Milli Bau war bereits 1973 wieder nach Darmstadt zurückgekehrt, wo sie 2005 verstarb. Ein Jahr vor ihrem Tod übernahm die Stadt Darmstadt das von ihr aufgebaute „Asien-Archiv“. 2012 kam ihr Nachlass in den Bestand des Stadtarchivs Darmstadt. Seit 2022 ist nach ihr die „Milli-Bau-Straße“ in Darmstadt-Eberstadt benannt.
Für das Stadtarchiv Darmstadt durften wir uns um die Gestaltung und Produktion der Ausstellungstafeln sowie der zugehörigen Flyer und Plakate für die Ausstellung mit dem Titel „Mit der Schreibmaschine um die Welt – Aus dem Nachlass von Milli Bau“ kümmern. Die Ausstellung zeichnet den Lebensweg Milli Baus nach und dokumentiert ihre weltweiten Reisen anhand von Fotos, Texten und Dokumenten. In den vergangenen Jahren haben wir mit dem Team des Stadtarchivs bereits ähnliche Projekte umgesetzt, u.a. „100 Jahre Georg-Büchner-Preis“ (2023), „75 Jahre Brandnacht“ (2019) oder „100 Jahre Revolution 1918/19“ (2018).
Auf Basis der wissenschaftlichen Bearbeitung der Biografie von Milli Bau durch Dr. Manfred Efinger wurden von Stadtarchivar Dr. Peter Engels und seiner Mitarbeiterin Anke Leonhardt 14 Tafeln konzipiert und redaktionell aufbereitet. Unsere Aufgabe bestand nun darin, diese Inhalte in eine passende gestalterische Form zu bringen. Neben den Tafeln gehörte dazu auch die Erstellung von Flyern und Postern, mit denen auf die Ausstellung hingewiesen wird.
Zwei Portraits von Milli Bau, ein Bild ihres zum Reisemobil umgebauten ersten VW-Bullis und die Abbildung eines von Milli Bau genutzten Reiseschreibmaschinen-Modells haben wir zum Key-Visual für die Ausstellung kombiniert. Dieses Key-Visual dient als Titel des Flyers sowie als Motiv für das Poster und die Einstiegstafel der Ausstellung. Als Reminiszenz an Milli Baus Reiseschreibmaschine haben wir für die Überschriften eine Schreibmaschinenschrift mit mehr oder weniger abgenutzt wirkenden Typen gewählt.
Anders als bei vorangegangenen Ausstellungen werden die Tafeln in hinterleuchteten Stelen präsentiert. Die dafür verwendeten Rahmen nehmen bedruckte Spanntücher im Format 1 Meter mal 2,25 Meter auf. Bei der Gestaltung war zu berücksichtigen, dass die Platzierung der Texte und Bilder in einem Bereich der Tafelfläche erfolgt, der für den Betrachter gut erfassbar ist. Daher haben wir im unteren Bereich der Tafeln, der bis zum Boden reicht, jeweils nur ein großes Bild mit eher dekorativem Charakter eingefügt.
Die Inhaltstexte in gut lesbarer, serifenloser Schrift haben wir in einem festen Raster angeordnet, die korrespondierenden Bilder samt Bildunterschriften hingegen lose versetzt und leicht gekippt platziert. Unterstützt durch Reißzwecken-Illustrationen an den Abbildungen ergibt sich dadurch ein collagenhafter Charakter. Überschriften und Bildlegenden wurden analog zum Key-Visual in Schreibmaschinen-Typo gesetzt. So wirken die Tafeln trotz des zugrunde liegenden statischen Rasters lebendig und abwechslungsreich.
Nach Übergabe der letzten Text- und Bildvorlagen konnten wir innerhalb einer Woche Seitengestaltung, Satz, Abstimmung, Bildbearbeitung, Reinzeichnung und Druckdatenaufbereitung der Tafeln realisieren. Weitere vier Tage später lieferten wir die fertigen Tafeldrucke an das Stadtarchiv. Letztlich umfassen die 14 Tafeln eine Gesamtfläche von 31,5 Quadratmetern mit rund 140 Abbildungen und über 46.000 Zeichen.
Die Ausstellungseröffnung fand am 4. Juni 2024 im Haus der Geschichte in Darmstadt statt. Zur Eröffnung sprachen der Oberbürgermeister Hanno Benz, der Stadtarchivar Dr. Peter Engels, der Milli Bau-Biograf Dr. Manfred Efinger und die wissenschaftliche Mitarbeiterin des Stadtarchivs Anke Leonhardt. Musikalisch begleitet wurde die Einführung in die Ausstellung vom Duett Huseyn Köroglu und Mariam Hail, das passend zu Milli Baus Reisen in den Nahen Osten und in den nordafrikanischen Raum arabische Lieder interpretierte.
Für interessierte Besucher ist die Ausstellung im Foyer des Hauses der Geschichte bis 30. August 2024 montags bis freitags von 9.00 bis 17.30 Uhr geöffnet. Zur Ausstellung gibt es ein Begleitprogramm mit Führungen und Vorträgen.
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